
Eine deutsche Tagebuchstudie mit 637 Beschäftigten aus 25 Unternehmen und zwölf Branchen ermittelte durchschnittlich rund 15 Unterbrechungen pro Stunde. Die daraus entstehende Refokussierungszeit summiert sich rechnerisch auf etwa drei Arbeitstage pro Monat.
Allein die Kosten dieser Refokussierungszeit beziffern die Autoren für deutsche Unternehmen auf rund 58,5 Milliarden Euro pro Jahr. Unter Einbeziehung weiterer Produktivitätsverluste, etwa durch vermeidbare Meetings, kommt die Untersuchung auf insgesamt 114 Milliarden Euro.
Quelle: Starker, V., Roos, K., Bracht, E. M. & Graudenz, D. (2022): Kosten von Arbeitsunterbrechungen für deutsche Unternehmen.
Eine experimentelle Untersuchung der University of California, Irvine, und der Humboldt-Universität zu Berlin zeigte: Unterbrochene Aufgaben wurden teilweise schneller erledigt – allerdings um den Preis von höherem Stress, größerer Frustration, stärkerem Zeitdruck und mehr mentalem Aufwand.
Die scheinbar erhaltene Leistung kann daher darüber hinwegtäuschen, dass Menschen Unterbrechungen durch ein belastenderes Arbeitstempo kompensieren.
Quelle: Mark, G., Gudith, D. & Klocke, U. (2008): The Cost of Interrupted Work: More Speed and Stress.
Originalstudie aufrufen
Eine EEG-Studie von 2025 untersuchte, was im Gehirn geschieht, wenn Menschen nach einer Unterbrechung zu ihrer ursprünglichen Aufgabe zurückkehren. Die Messungen zeigen zusätzliche neuronale Prozesse, die notwendig sind, um sich von der Zwischenaufgabe zu lösen und den ursprünglichen Aufgabenkontext wieder zu aktivieren.
Mehr Zeit und Flexibilität bei der Wiederaufnahme erleichterten diese kognitive Neuorientierung und waren mit besseren Leistungen verbunden.
Quelle: Ülkü, S. et al. (2025): EEG Correlates of Cognitive Dynamics in Task Resumption After Interruptions: The Impact of Available Time and Flexibility. European Journal of Neuroscience.
Studie über PubMed aufrufen
